Meinung zum Urheberrecht

Das Urheberrecht, eines der schwierigsten Themen der Piratenparei. Extrem kontrovers weil es tief in unser Wirtschaftsystem eingreift. Seit mehreren hundert Jahren bauen so viele Existenzen darauf auf. Im Grunde ist es nicht weg zu denken aber es muss angepasst werden da es nicht mehr der Realität der Menschen entspricht.

Doch von Anfang an, was ist das Urheberrecht? Es soll Rückführungen von Gewinnen an Menschen sichern die Ideen hatten und diese publiziert haben. Oder fachlicher formuliert: „Das subjektive Urheberrecht bezeichnet das subjektive und absolute Recht, das die ideellen und materiellen Interessen des Urhebers an seinem Geisteswerk schützt.“ ¹

Klingt nach einer guten Sache, jemand „schafft“ ein imaterialles Gut, also einen Gedanken und kann sich nach dessen Publizierung auf seine „Schaffung“ berufen um davon zu profitieren. Das wurde desshalb als gut empfunden weil man so hoffte, das mehr Leute, mit diesem Profitziel im Augenwinkel, sich hinsetzen und gute Ideen produzieren.

Diese immateriellen Güter waren auch immer an physikalische Medien gebunden: Steintafeln, Papyrus, Bücher, Schallplatten, Fotopapier, Filmrollen. Dabei handelt es sich immer um analoge Trägermedien, welche zu kopieren einen Aufwand bedeutete und manchmal auch Informationsverlust. Es gab also immer auch eine physikalische Begründung, neben der zu ehrenden geistigen Leistung, welche kommerzialisiert werden konnnte. Funfact: Volkslieder und Volksmärchen welche nur von Mund zu Mund weitergegeben wurden, waren zum Beispiel nie Gegenstand eines Urheberrechtsstreits da ihnen das Wesen der pysikalischen Gebundenheit fehlt. Man sieht also, schon früher war die physikalische Repräsents einer geistigen Leistung für deren Gewinnausnutzung wichtiger als deren Inhalt. Wohl auch, weil schnell klar wurde das Beschränkungen mit geistigen Leistungen irgendwie schlecht funktionieren werden.

Dann kam das Bit. Und das bit ist die kleinste mögliche Informationseinheit in den auf ihnen aufbauenden Systemen. Jedes bit hat 2 Zustände 0 und 1 und muss massenhaft kopiert werden um komplexere Informationen zu repräsentieren. Diese Bit-Kopiermaschienen, auch Computer genannt, reproduzieren fast beliebig oft ohne nennenswerten Aufwand zu verlangen jede Information alias geistige Leistung die in dieses System hinein gegeben wird. Jede Information in diesem System verliert damit unweigerlich seinen physikalischen Anspruch auf Einzigartigkeit und kann von nun an in diesem System als allgegewärtig und unbegrenzt verfügbar angesehen werden. Falls Mitglieder der CDU oder Kirchenanhänger zufällig diesen Text lesen sollten, hier Mal eine etwas ungewöhnliche Analogie. Das wäre etwa so, als ob plötzlich die Engel vom Himmel herabkommen würden, jeder mit einer unendlich lange Papyrusrolle unter dem Arm und mit einer „engelsgleichen“ Stimme ausgestattet. Die plötzlich alles was ihnen gesagt, vorgesungen oder vorgespielt würde immer und überall rezipieren könnten wenn man sie danach fragt.

Von nun an wurde es schwierig, den die Diskussion um die sich die letzten Jahrhunderte gedrückt wurde, da die physikalität als begrenzendes Faktum für jede Information vorgeschoben werden konnte, wurde nun erzwungen. Und wir alle sind mitten drin!

Wie geht es weiter?
Aus dem Fakt der praktisch fast unbegrenzten Möglichkeit über jede Information in diesem System zu verfügen lassen sich 2 Folgerungen zum Umgang mit diesem Zustand ableiten. Erstens, wir müssen zu jeder Verschaltung von 2 Bits ein drittes Bit hinzufügen welche den Anpruch des Rechteinhabers repräsentiert. Um die Wirksamkeit dieses Rechtsanspruches durchzusetzen muss jede Person sich dann auch dem Rechtsanspruch gegenüber als Berechtigt ausweisen (Techniker nennen das authentifizieren, alle anderen Menschen kennen das als vorzeigen des Ausweises bei Verkehrskontrollen oder am Flughafen). Um in jedem Fall die Berechtigung zur Nutzung dieser speziellen 2 Bits sicher zu stellen muss eine Überwachung des gesamten Verkehrs innerhalb eines solchen bit-basierenden Systems stattfinden, da über jeden unüberwachten Bitverkehr potentiell jede Information (siehe Erklärung Bit-Kopiermaschine, ein Stück weiter vorne in diesem Text) rechtsanspruchsfrei übertragen werden könnte.

Die zweite Folgerung die abzuleiten ist lautet: Alle sollen kopieren und hinzufügen können. Kein Rechtsanspruch, keine Authentifizierung, keine Überwachung!

Wir Piraten, wollen die erste Folgerung nicht, soviel düfte schon mal klar sein. Aber die wenigsten Piraten oder auch Nichtpiraten trauen sich dann auch die zweite Forderung auszusprechen welche unweigerlich aus der Ablehnung der Ersten folgt. Immerhin geht es ja schlusssendlich um Wirtschaft und die mühseelig aufgebauten Vertriebswege von analogbasierenden Trägermedien die den vielen Menschen die in ihnen arbeiten und am Ende auch den Urhebern den Unterhalt finanzieren. Dabei schwingt dann auch die Angst mit das die Urheber plötzlich nicht mehr ur heben sondern zum Telefonsupport von Vodafone wechseln, Hedgefondsmanager oder Formel-1-Fahrer werden und wir auf einmal ohne neue Innovationen, Kunst oder Erfindungen da stehen, unser intellektuelles/kulturelles Leben stagnieren würde und wir uns nicht weiter entwickeln würden. Kurz gesagt, Piraten glauben das nicht! Das Urheberrecht geht davon aus das einzelne Menschen produktive Ideen haben und blendet aus das Entwicklung auch ein ständiger interaktiver Austausch von mehreren Menschen sein kann, deren Einzelbeiträge noch unter einer warnehmbaren Schöpfungshöhenrelevanz liegen können aber im Endeffekt doch die Robustheit des zu Schaffenden atomar erhöht. Piraten glauben das Firmen, Menschen auch dann noch existieren können wenn jede ihre Ideen und Produkte kopiert und verändert werden kann. Denn es wird immer wieder vergessen das, die kopierten und veränderten Ideen auch wieder vom Urheber wieder aufgenommen und verändert werden dürfte. Plötzlich stünden jeder Firma unglaublich große Innovationschätze zur Verfügung. Die Entwicklung würde sich rasant beschleunigen. Einzelnen Unternehmen würden nicht mehr große Summen in gezielte Forschung investieren und deren Resultate restriktiv vermarktet werden müssen bis eine Kostendeckung erreicht ist und darüber hinaus, sondern sich an der Entwicklung öffentlich und gesellschaftlich beteiligen. Firmen würden zur Individualisierung ihrer Produkte Ableitungen entwicklen und überschaubar finanziert weiterentwicklen um den für den Absatz wichtigen usp (unique selling point) erzustellen. Bei neuen Produkten/Ideen am Markt könnten schneller eigene Ideen vermarktet werden, in dem sich dem aktuellen Forschungs/Enwicklungstand angeschloßen wird und dieser vollumfänglich ausgenutzt und aus eigeninteresse weiterentwickelt werden würde. Das es sich dabei um keine Honigkuchenlandphantasie von mir handelt sondern auch in großem Maßstab bereits heute funktioniert zeigt die opensource-Bewegung. Die mittlerweile auch viele Menschen in Lohn und Brot brigt. Menschen wollen ständige Veränderung, Weiterentwicklung und Inspiration diese aus Gründen der informellen Wegelagerei zu unterbinden ist falsch.

Gedanken sind gleichzeitig Analog und Digital in einem. Analog weil unendlich genau = Ideell. Und digital weil perfekte Kopien in allen anderen Köpfen entstehen können.

Ich möchte hier noch ausdrücklich auf den Artikel von Andreas verweisen Und ewig kriechen die Lobbyverbände aus ihren Löchern der kurz darauf eingeht das aktuell der Urheberrechtsanspruch auf Musikstücke auf 70!!!! Jahre verlängert wurde. Unfassbar! Vielen lieben Dank an dieser Stelle auch an die die Ökoverräterpartei Die Grünen. Damit darf der Kanon erweitert werden: „Wer hat uns verraten? Es waren die Demokraten. War war mit dabei? Die Piratenpartei. Und mit auf den Bühnen, waren die Grünen.“

tl:dr

Urheberrecht geht davon aus das einzelne Menschen produktive Ideen haben und blendet aus das Entwicklung auch ein ständiger interaktiver Austausch von mehreren Menschen sein kann, deren Einzelbeiträge noch unter einer warnehmbaren Schöpfungshöhenrelevanz liegen können aber im Endeffekt doch die Robustheit des zu Schaffenden atomar erhöht.

Zur Vervollständigung hier noch ein Bild das ich einfach mal in den Raum werfen möchte, welches als Idee für ein Symbolbild zum Thema Urheberrecht , allerdings speziell den §52a „Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung“, dienen und weiterentwickelt werden kann. Die Idee war eigentlich einen Artikel darüber zu schreiben und das Bild zu verwenden. Aber die Freiheit meiner Gedanken steuerte dann doch in eine ander Richtung wie man sah.

links Lehrerrin mit Buch in der Hand, rechts Schulkinder, in der Mitten ein durchgestrichener Kopierer.
links Lehrerrin mit Buch in der Hand, rechts Schulkinder, in der Mitte ein durchgestrichener Kopierer

[1] Haimo Schack: Urheberrecht und Urhebervertragsrecht. Mohr Siebck, Tübingen 2009, Rn. 2.

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Frohes Schaffen – Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral

Der Film „Frohes Schaffen“ kommt wohl bald in die Kinos, der Untertitel des Films lautet „Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral“. Schon allein wegen dem provokanten Titel könnte er mich interessieren, darum werde ich mir auch ansehen, wenn ich es nicht verpasse in Kino zu gehen

Eine Vorabetrachtung der Lage

Ich denke ja, zum Verständnis „der Arbeit“ muss man etwas tiefer in die Geschichte schauen und die vielen Wege der Entwicklung des Menschen verstehen. Als Tiere waren wir auf uns allein gestellt, mit steigender Intelligenz haben wir zusammen gearbeitet, oder Arbeitsteilung betrieben. Vom direkten Gewinn aus einer Tätigkeit beschrängt allein auf das Individuum, (zB. auf eine Palme klettern um an deren Früchte zu kommen) wurde ein abstrakter Gewinn (zB. nur wenn ein Gruppenteil auf die Heimathöhle aufpasst kann ein anderer Gruppenteil zur Jagd gehen. Der Jagderfolg wird mit den Aufpassenden geteilt). Durch solche un-individuelle Arbeiten der Gruppenmitglieder entstand für diese Gruppen dauerhafter „wirtschatlicher“ output, welcher aber für die einzelnen Gruppenmitglieder abstrakt ist. An dem konnte auch Teil gehabt werden, wenn man selber nicht zum Erfolg beitrug (Kinder, Alte, Kranke). Es entstand in jedem (jeder war mal Kind,krank, alt, usw.) das Bewusstsein dafür das man nur „privilegiert“ genug sein muss um ohne Zutun von der Arbeit der Gruppe profitieren zu können. Ob man diesen Faden jetzt weiterspinnen kann bist zu den Königen von Gottes gnaden, den Reichen aus Tradition oder den heutigen Investmentbankern müsste mal jemand anders ausarbeiten, für mich ist da zuviel Interpretationsspielraum dazwischen.

Aber ich nehme es als gegeben an das es auch in der heutigen Arbeitswelt immer Leute gibt die sich als privilegiert sehen (auch wenn sie auf Grund einer Vom-Tellerwäscher-Zum-Millionär-Vitae es eigentlich besser wissen müssten) oder gern diese Privilegien, einer sehr hohen Unterstützung der Gruppe, für sich als gegeben sehen würden. Diese kann auch leicht mit dem Begriff der Unabhängigkeit verwechselt werden. Viel Geld wird immer schnell mit viel Unabhängigkeit gleichgesetzt. Doch  diese muss keine bedingte Folge von sehr viel Geld oder viel Macht sein.  Aber dennoch versuchen sich viele dieses Privileg zu „erarbeiten“.

Im Zuge dieses, sich „hocharbeiten“ überbelasten sie sich im Vergleich zum Rest der Gruppe. Ein in diesem Fall negativer Leuchtturmeffekt lässt nun alle anderen ebenfalls mehr arbeiten. Man kennt eventuell  von Partys oder aus Managementschulungen dieses Spiel, wo viele Leute mit nur einer leichten Berührung des Fingers ein Brett bis zum Fussboden abgesengt werden soll, was aber sehr schwierig ist, da das Brett ständig nur nach oben geht. Die einzelnen powerworker unserer Gesellschaft (die sich selber in das Privileg hoch arbeiten wollen) erzeugen also einen höheren output gegenüber dem restlichen Durchschnitt und lassen damit ihren Gesellschaftsteil Mehrwerte erwirtschaftend aussehen und gleichzeitig den Rest der Gesellschaft als unterprivilegiert und bittstellend aussehen. Das ist etwas übertrieben dargestellt, zur Verdeutlichung, der komplexen, oder manchmal weniger komplexen menschlichen Verhaltensweise und der langen langen Zeit über die sich das Gesamtzusammenspiel so entwickelt hat und den sehr kleinen und feinen Veränderungsmöglichkeiten die jeder einzelne Mensch nur hat. Wir können es heute auch nicht mehr als etwas böses ansehen wenn einzelne sich zu Millionären hocharbeiten, weil wir es ja fast alle versuchen. Faktisch sollten wir aber uns selber, den Verlierern im Wirtschaftsraum Erde und der Umwelt, und damit der Zukunft unserer Spezies, zu liebe kürzer treten.

In den letzten 200 Jahren kam dazu noch ein weiterer Drall -welcher die Spirale der Arbeit schneller drehen lässt- hinzu, nämlich die Konkurrenz mit der Maschine. Diese kann immer arbeiten und fordert keine guten Arbeitsbedingungen oder mehr Geld. Auch Globalisierung und damit die Konkurrenz mit prinzipiell allen anderen auf der Welt die den Job auch machen würden trägt zur weiteren Beschleunigung bei.

Soweit meine Einschätzung dazu warum wir überhaupt in einer arbeitswütigen Welt leben.

Wer möchte kann sich diesen Klotz noch durchlesen: http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

Ebenfalls ein interessanter Denkanstoss war für mich « Le droit à la paresse » Das Recht auf Faulheit