Über die Akzeptanz von LiquidFeedback und ständiger Mitgliederversammlung

Christopher Lauer hat wieder einen blogpost verfasst zum Thema SMV* dieser Post hier auf meinem Blog ist die etwas längere Antwort die ich auf seinem Blog schon begonnen habe:

Moin,

ich finde die SMV sehr wichtig, denn sie wäre ein weiterer Schritt auf unserer Liquid Democracy Agenda. Aber ich befürchte im Moment würde diese einfach in der Nichtnutzung versanden. Ähnlich wie LQFB. Viele Menschen würden gerne mehr das LQFB und später auch eine SMV nutzen, tun es aber nicht. Daher muss erstmal eine effektiv funktionierende Beteiligungsstruktur geschaffen werden, die ganz selbstverständlich auf LQFB und SMV zugreift.

Als ersten Schritt müssen erstmal Parteitage syncronisiert dezentral stattfinden können. Dafür brauchen wir effektive Multi-Konferenzwerkzeuge. Streaming aller teilnehmenden Untergliederungen sind dabei nicht so wichtig wie ein syncronisierter Wissensstand und endgültige valide Abstimmungen. Ich glaube daran das das machbar ist und sogar die Durchführung jeder einzelnen Veranstaltung verbessern kann.

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu akzeptierter und angewendeter LD*** (alias LQFB und SMV) sind permanente Treffen zur Bearbeitung von definierten Themengebieten in LQFB bzw. SMV durch alle Gliederungsebenen. Mit Zielrichtung Beschlussfassung und Erzeugung politischer Fakten. viele Grüße Robert

*) SMV: Ständige Mitgliederversammlung
**) Liquid Democracy:  Mischform von repräsentativer und direkter Demokratie
***) LQFB:  Eine freie Software zur politischen Meinungsbildung

Wie schon in der blog-Antwort gesagt, sehe ich als größtes Problem unserer Liqid-Democracy-tools die derzeitig vorherrschende und wahrscheinlich weiterhin später fehlende Beteiligung. Was auch über Jahre hinweg immer wieder bemerkt, aber noch nie angegangen und geändert wurde. Aus diesem Grunde meine ich das 2 Schritte nötig sind in der proaktiv Beteiligungsstrukturen geschaffen werden müssen bevor eine effektive und nützliche SMV entstehen kann. Ebenfalls profitieren kann davon auch LQFB**.

 Schritt-A: Dezentrale Parteitage

Schon oft und lange haben wir über dieses Thema diskutiert, aber bisher scheint ausser einer aktiven AG und einigen Erwähnungen im Wiki noch nicht viel passiert zu sein. Zumindest kann ich in 2013 an noch keinem dezentralen Parteitag teilnehmen. Was unglaublich schade ist. Auch wenn das  für mich persönlich positiv ist, denn es bedeutet das ich wieder durchs halbe Land fahren und viele interessante Leute treffen kann. Aber mit diesem Anspruch sind wir einstmals nicht angetreten. Wir sind 6 Jahre später und keinen Schritt weiter!

Nehmen wir doch einfach mal den bevorstehenden ersten Bundesparteitag 2013 BPTXII exemplarisch zur Hand. Dieser findet im Norden von Bayern, nahe Nürnberg statt. Für mich von Dresden aus sind das geschmeidige 330km macht hin und zurück mit meinem  Auto (10l/E10) etwas über 100€ + Übernachtung. Unsere Hamburger Piraten als extremes Gegenbeispiel müssen 1288km fahren und damit ziemlich genau das doppelte also 200€ + Übernachtung zahlen. Bei 2000 Teilnehmern mit durchschnittlich 300km Reiseweg sind das 1,2Mio zurückgelegte Kilometer und 186.000€ für Benzin. Das verbrauchte Erdöl und die Luftbelastung durch co2 und Rußpartikel kann sich jeder selber ausrechnen und zudem die Teile- und Straßenabnutzung überschlagen. Klar das ist eine „schön“ gerechnete Bilanz, zeigt aber deutlich das eine SMV nicht nur für uns sondern auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht unbedingt erreicht werden muss wenn wir unserem Basisdemokratischen Ansatz nicht über Bord werfen wollen.

Wie stelle  ich mir also eine Piratenpartei vor die einen dezentralen Parteitag abhält?
Der Parteitag und sein Durchführungsort wird wie gehabt festgelegt, alias der Hauptveranstaltunsort  (HVO). Jedoch kann jede beliebige Untergliederung zum dezentralen-Teilnehmer (DT) werden und sich von der Hauptveranstaltung akkreditieren lassen. Als akkreditierte Teilnehmende Menschen zählen dann auch die in allen teilnehmenden Untergliederungen. Also muss auf allen Veranstaltungen das synchrone Programm ablaufen. Dafür sollte, muss aber nicht, wenigstens ein Audio/Video-Stream vom HVO zu den DT vorhanden sein.  Viel wichtiger ist dagegen das eine synchronisierte Redeschlange und übersichtliche Informationslage besteht. Gebraucht wird also eine Art massiv parallel bearbeitbares Super-Etherpad in dem sich alle Kommentatoren erstmal in eine Redeschlange einklinken müssen bevor ihr Kommentar an alle verteilt wird. Jeder beitragswillige Mensch gibt seinen Kommentar auch erstmal (Stichpunktartig) zu Protokoll bevor er an ein Mikro tritt und und diesen der Versammlung vorträgt. Dieses kompliziert erscheinende Verfahren bringt massive Vorteile mit sich. Denn 10 Leute in der Redeschlange, sehen schon das vor ihnen 3 andere stehen die das selbe Problem anmerken wollen und können sich zurückziehen. Andere Piraten sehen schonmal  später auftretende Einwürfe und können schonmal Gegenpositionen oder Erweiterungen vornehmen und als Kommentar anmelden. Die direkte Ansprache an die gesamte Versammlung von jedem DT  aus kann zB. mittels Mumble gelöst werden. Zur Übertragung des Hauptbeamerbildes müsste auch nicht zwangsläufig das Videobild  übertragen werden, es würde auch reichen Slides bzw. ein Texthub auf einem zentralen Dienst im Internet live zu benutzen auf dem alle DT nur lesend zugreifen. Auch hier könnte Etherpad schon weiter helfen. Eingeloggt wären hier nur die DT die dann wiederum den Inhalt lokal per Beamer an die Wand werfen.

Abstimmungen. 
Zugegeben ein sehr gefährliches und kompliziertes Feld. Aber wenn jede Versammlung ihre Teilnehmer ernsthaft akkreditiert und eine lokal Vorort agierende Wahlleitung mit Wahlhelfern existiert die bei Abstimmungen in ebenfalls öffentlich lesbare Dokumente hinein synchronisiert sollte schaffbar sein.  In einem späteren Schritt, müsste eine Softwarelösung die Visualisierung von Meinungsbekundungen bewerkstelligen um der Versammlungsleitung zum Beispiel die Einholung eines Meinungsbildes zu ermöglichen. Dazu geben die dezentralen Wahlleitungen ihre lokalen Stimmungsbilder weiter, welche der Hauptversammlung als Tortendiagramm angzeigt werden (um mal ein Beispiel zu nennen). In den ersten Jahren sollten alle DT Videobeweise der Leitung ihrer  gesamten Veranstaltung führen und aufbewahren um im Zweifel Rechtssicherheit herstellen zu können.

 Ein erster Schritt..
..könnte zum Beispiel sein, einen nächsten Landes-Parteitag in Sachsen mit einem großen untergliederten Verband, von dem viele Mitglieder nicht vor Ort teilnehmen können (Leipzig vs. Dresden zB.), zu verbinden. Also eine eigene Akkredition mit übertragener Kommunikation (Telefon/Mumble) und übertragenen Abstimmungsergebnissen an die Hauptversammlung. Wenn möglich könnte auch ein Videostream übertragen werden.

Wenn das alles viel zu kompliziert ist, dann müssen wir uns eben einen ganz anderen Weg ausdenken um zu Beschlüssen zu kommen. Delegierte vielleicht? (scnr)

 Schritt-B: Liquide Demokratie erfordert flüssige Bearbeitung!

Ganz nach dem Vorbild der Natur, „steter Tropfen hölt den Stein“, verhält sich der 2te wichtige Schritt zu einer akzeptierten und effektiven SMV bzw. LD***.  Nur wenn viele Menschen immer wieder Themen bearbeiten und diese letztendlich abstimmen werden wir gute Inhalte mit hoher Akzeptanz erhalten. Darum müssen sooft wie möglich dezentrale aber überhaupt nicht zwingend synchroniserte Treffen mit bestimmten thematischen Ausrichtungen stattfinden um LQFB Anträge aus dem selbstgewählten Themengebiet zusammen zu erleutern, bearbeiten und letztendlich auch abzugestimmen. Anstatt das Pirat allein zuhause sitzt und schlimmstenfalls unreflektiert Entscheidungen trifft. Hierzu kann jede Untergliederung, jede Gruppe und jeder Piratenmensch offene Treffen mit diesen thematischen Ausrichtungen ausrufen (live, googleHangout oder Mumble zb.). Dieser Punkt betrifft hauptsächlich die vielen Mitglieder welche derzeit noch nicht an LQFB teilnehmen und nicht die Thematischen-Gruppen oder lokale Crews von denen ich annehme das sie eh schon in ihren Treffen auch die für sie wichtigen Punkte besprechen und abstimmen. Zudem müssen aber auch thematisch gebundene Piraten allgemeine oder thematisch anders gelagerte Themen abstimmen und auch dafür sind diese Treffen wichtig.

Darum, nehmt Teil! Macht selbst Veranstaltungen, vernetzt euch, trefft euch, habt Spass und stimmt ab!

Und denkt dabei immer daran, DIE LEUTE MIT NEHMEN ist das wichtigste! Das meint alle Bürger des Landes, nicht nur Piraten!

Abschließend möchte ich noch sagen das ich kein Freund von der Herangehensweise bin für jedes Problem eine neues Tool zu verwenden und 2 weiterer selber entwickeln zu wollen. Aber genauso wie LiquidFeedback erst geschaffen werden musste, muss dieses synchronisierte Parteitagstool entwickelt werden bevor wir irgendwelche Aussagen über die Arbeit mit diesen Möglichkeiten trefen zu können.

<hr>

Update:

Der Ben Stöcker aus Bayer hat im Gespräch mit Maha zwei tools erwähnt (etwa ab Minute 35) die in Bayern neu sind, sich guter Beliebtheit erfreuen:

http://wiki.piratenpartei.de/Pirate_Feedback (lässt auch Diskussionen zu Anträgen zu)

http://de.wikiarguments.net (lässt die menschbasierte  Suche und Bewertung von Argumenten zu)

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Autor: Rob Tranquillo

Software tester & web coder, social & politics, snow & wakeboard, guitar & bass, vegan & yoga

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